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00:00:00: wenn in eine Bank eingebrochen wird.

00:00:03: Also da haben wir ja eigentlich ne sehr klare Erwartungshaltung an die Wahrheitsfindungen.

00:00:08: Absolut, ja!

00:00:09: Da gibt es ne eingeschlagene Glasscheibe Es gibt Überwachungskameras oder vielleicht...

00:00:14: Fingerabdrücke auf dem Tresor?

00:00:16: Genau, Fingerabdrücke alles ist physisch, es ist messbar und greifbar.

00:00:20: Die Justiz kann diese Puzzleteile quasi einfach zusammensetzen Aber wenn wir den Schauplatz mal wechseln weg von der Bank, hinein in den privaten Raum.

00:00:31: In die Dynamiken von häuslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt Richtig!

00:00:36: Dann verschwinden diese physischen Puzzleteile nämlich plötzlich komplett.

00:00:40: Die Beweise bestehen dann fast ausschließlich aus der menschlichen Erinnerung.

00:00:45: Willkommen zu The Debate.

00:00:47: In unserem Format widmen wir uns dem tiefgehenden Diskurs um komplexe Themen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.

00:00:54: Schön dass Sie wieder dabei sind Und unsere zentrale Frage heute lautet.

00:00:58: Wie gehen wir als Gesellschaft eigentlich damit um, wenn fundamentale rechtsstaatliche Garantien faktisch als Schutzschild für Täterstrukturen funktionieren?

00:01:09: Und Opfer im sogenannten Aussage gegen Aussagedilemma systematisch zum Schweigen gebracht werden?

00:01:16: Ich vertrete die Position, dass unser historisch täterzentriertes Justizsystem strukturelle Machtasimetrien völlig ignoriert Und durch Mechanismen wie die sekundäre Victimisierung begünstigt dieses System bestimmte Täterstrategien sogar aktiv.

00:01:32: Deshalb brauchen wir einen systemischen Paradigmenwechsel im Opferschutz.

00:01:37: Ich nehme da die Gegenposition ein, ich argumentiere dass genau diese strengen prozessualen Hürden also insbesondere die Unschuldsvermutung nicht verhandelbare Grundpfeiler des Rechtsstaates sind.

00:01:50: Ihre Aufweichung zugunsten eines unreflektierten Opferschutzes hätte fatale Folgen.

00:01:57: Die eigentliche Lösung muss in der Prävention und sozialen Arbeit außerhalb des Gerichtsaals

00:02:02: liegen.".

00:02:03: Um den Kern dieses Problems wirklich zu greifen, müssen wir uns einfach mal die harte empirische Realität ansehen?

00:02:10: Wir sprechen hier nicht von abstrakten juristischen Gedankenspielen!

00:02:15: Bei Beziehungsdelikten, also wenn Aussage gegen Aussage steht werden bis zu ninety-fünf Prozent der Fälle eingestellt.

00:02:21: Das ist eine gewaltige Zahl!

00:02:25: Und bei Sexualstraftaten führt im Hauptverfahren im Schnitt nur jeder zehnte Fall überhaupt zu einem Schuldspruch.

00:02:32: Das bedeutet doch faktisch dass ein Täter im sozialen Nahraum fast nichts zu befürchten hat.

00:02:39: Na ja so lange er keiner gravierenden körperlichen Spuren hinterlässt...

00:02:42: Genau, das Justizsystem degradiert die Betroffenen in diesen Verfahren zu bloßen Beweismitteln.

00:02:48: Die psychische Unversehrtheit wird dem Prozester komplett untergeordnet.

00:02:53: Da muss ich direkt mal einhaken!

00:02:55: Diese «九zig Prozent», die Sie zitieren, sind ja völlig u-bestritten – aber sie ziehen voraus meiner Meinung nach den falschen Schluss.

00:03:02: Inwiefern?

00:03:03: Diese Zahl ist kein Beweis für ein Versagen des Systems.

00:03:06: Sie ist vielmehr der Beweis, dass das System exakt so funktioniert wie es in einer liberalen Demokratie funktionieren muss.

00:03:13: Indem es Betroffene bei Gewalt im häuslichen Umfeld völlig im Regen stehen lässt?

00:03:17: Nein, indem es staatliche Willkür verhindert!

00:03:21: Wir müssen uns klarmachen – Der Strafprozess ist historisch und systematisch keinen Streit auf Augenhöhe zwischen Täter und Opfer.

00:03:29: So wie wir das an einem Zivilverfahren hätten.

00:03:31: Exakt

00:03:32: wo sich zwei Parteien vor Gericht um einen Gartenzaun streiten.

00:03:36: Der Strafprozess ist eine reine Eingriffsbeziehung, auf der einen Seite steht der übermächtige Staat mit seinem kompletten Gewaltmonopol und auf der anderen der isolierte Beschuldigte.

00:03:46: Aber lassen Sie mich das kurz zu Ende führen!

00:03:49: Die Europäische Menschenrechtskonvention hat in Artikel sechs die Unschuldsvermutung nicht ohne Grund absolut gesetzt.

00:03:56: In dem Moment, indem wir anfangen, Menschen ohne objektive Sachbeweise einzusperren – nur weil eine Aussage emotional überzeugend wirkt, öffnen wir der Justiz-Wilkür Tür und Tor.

00:04:11: Aber wir müssen doch schauen, was in diesem von Ihnen so vehement verteidigten Schutzraum für den Beschuldigten eigentlich mit dem Opfer passiert.

00:04:20: Die Kriminalogie spricht davon der Konstruktion des idealen Opfers.

00:04:25: Nils Christie hat das sehr treffend formuliert – Das System erwartet ein Opfer, dass passiv und schwach ist.

00:04:33: Ein Opfer ,das den Täter vorher nicht kannte, das sich heldenhaft wehrt und sofort weinen zur Polizei wendet!

00:04:40: Aber diese Fälle gibt es ja auch etwa beim klassischen Überfall im Park?

00:04:44: Ja, aber das ist eben die absolute Ausnahme bei geschlechtsspezifischer Gewalt.

00:04:49: Diese Taten passieren im sozialen Nahraum durch den Partner-Expartner-Vorgesetzte – da rennt man nicht sofort zur Polizei!

00:04:57: Es gibt Abhängigkeiten, das stimmt.

00:05:00: Finanzielle oder emotionale Abhängigkeit Und wenn ein Opfer nicht in dieses archaische Raster des idealen Opfers passt, entsteht sofort ein massiver Glaubwürdigkeitsverlust.

00:05:12: Ein Credibility-Deficit!

00:05:16: Genau das.

00:05:17: Das Opfer wird plötzlich gefragt warum sind sie geblieben?

00:05:21: Warum haben Sie danach noch mit ihm geschrieben?

00:05:23: Das ist klassisches Victimblaming dass durch die Justiz methodisch angewandt wird.

00:05:29: Da werfen sie jetzt aber gesellschaftliche Diskurse und juristische Methodik in einen Topf.

00:05:35: Doch, weil diese Mythen über das ideale Opfer in der Gesellschaft existieren – und das ist absolut kritikwürdig!

00:05:41: Aber was im Gerichtssaal passiert?

00:05:43: Insbesondere bei den Aussage psychologischen Begutachtungen, dass folgt einer streng wissenschaftlichen Logik….

00:05:49: Sie meinen die Nullhypothese?

00:05:51: Ganz genau.

00:05:52: Die Null-Hypothease ist kein Misstrauensvotum gegen Frauen, sondern eine methodische Notwendigkeit zur Wahrheitsfindung ohne Sachbeweise.

00:06:01: Moment!

00:06:01: Lassen sie mich das kurz sortieren.

00:06:03: Sie sagen also wenn das Gericht eine Frau systematisch in die Mangel nimmt weil sie nach der Tat nicht geschrien hat dann ist es kein Misstrauen, sondern angewandte Wissenschaft.

00:06:13: Erklären Sie mir das mal.

00:06:15: Die Null-Hypothese ist das wissenschaftliche Fundament der Aussagepsychologie.

00:06:20: Ein Sachverständiger geht dabei methodisch zunächst von der Annahme aus, dass die Aussage der Zeugin unwahr isst.

00:06:27: Sie gehen also systematisch davon aus, daß das Opfer lügt?

00:06:30: Nein!

00:06:31: Nicht, dass sie mutwillig lüght sondern, dass diese Aussage nicht der objektiven Realität entspricht.

00:06:37: Das ist ein feiner aber enorm wichtiger Unterschied.

00:06:40: Okay Man formuliert diese Annahme, also die Nullhypothese und versucht dann sie durch die Analyse der Aussage zu widerlegen.

00:06:48: Man schaut auf die Detailfülle, auf originelle Schilderungen, auf strukturelle Brüche

00:06:54: Und nur wenn die Aussage extrem hochwertig ist gilt sie als wahr

00:06:58: Richtig!

00:06:59: Nur wenn Sie sich nicht durch eine Erfindung oder falsche Erinnerung erklären lässt.

00:07:04: Das ist schlichtweg die einzige anerkannte Methode, um ohne DNA oder Kameraaufnahmen die Validität einer Aussage zu testen.

00:07:12: Wenn wir diese strenge Falsifikation aufgeben würden, um das Opfer emotional zu schonen wäre das das Ende der objektiven Wahrheitsfindung.

00:07:20: Aber ist das wirklich objektive Wahrheitsfindung?

00:07:23: Lassen Sie uns das Bild vom Anfang noch mal aufgreifen!

00:07:26: Das mit der

00:07:27: Bank?!

00:07:27: Genau wenn wir ein hochmoderne Sicherheitssystem entwerfen Und dieses System ignoriert ninety-fünf Prozent der tatsächlichen Einbrüche, weil der Einbrecher den Haustürschlüssel des Opfers hatte.

00:07:40: Weswegen am Schloss eben keine Spuren zu finden sind?

00:07:44: Ja!

00:07:44: Würden wir dann wirklich sagen das System funktioniert perfekt es schützt nur vor staatlicher Willkür?

00:07:51: oder würden wir sagen Dieses System ist fundamental fehlerhaft?

00:07:55: Das ist ein interessantes Bild aber...

00:07:58: Weil es die Realität des Verbrechens überhaupt nicht erfasst.

00:08:01: Wenn ein Rechtssystem strukturelle Machtasymetrien ausblendet und eine Beweisführung verlangt, die bei Gewalt im privaten Raum fast nie erbracht werden kann, zementiert es die Straffreiheit für Täter.

00:08:15: Die Analogie greift aber zu kurz – das Strafrecht ist eben kein Sicherheitssystem, dass jeden Diebstahl und jede Gewalt hat flächendeckend aufklären kann oder soll.

00:08:24: Sonder?

00:08:25: Es ist das schärfste Schwert des Staates!

00:08:27: Es geht um Freiheitsentzug… Wenn der Einbruch mit dem Schlüssel nicht zweifelsfrei von einer legalen Nutzung zu unterscheiden ist, dann darf der Staat nicht zuschlagen.

00:08:36: Das ist extrem bitter für das Opfer – ja!

00:08:39: Aber die Alternative jemandem auf reinen Verdacht hineinzusperren, ist rechtsstaatlich inakzeptabel.

00:08:45: Das materielle Strafrecht hat eben Grenzen.

00:08:47: Gut aber schauen wir uns mal an was innerhalb dieser Grenzen passiert?

00:08:52: Denn das System bietet Tätern ja nicht nur passiven Schutz.

00:08:55: es liefert ihnen geradezu eine strategische Vorlage.

00:08:59: Sie spielen auf psychologische Täter-Taktiken an.

00:09:01: Richtig,

00:09:02: auf das Davo-Modell!

00:09:03: Die Theorie von Jennifer Freight?

00:09:05: Ganz genau.

00:09:06: Deny Attack Reverse Victim and Offender Leugnen angreifen Täteropferumkehr Das ist hochwirksam.

00:09:14: Der Täter bestreitet die Tat.

00:09:16: Im zweiten Schritt greift er die psychische Stabilität des Opfers an behauptet sie sei labil oder rachsüchtig und schließlich stylisiert er sich selbst zum wahren Opfer.

00:09:28: Und das Fatale ist, dass Justizsystem belohnt dieses Verhalten.

00:09:33: Inwiefern belohnte es das?

00:09:34: Der Täter setzt vor Gericht seine Maske der Normalität auf, bleibt völlig ruhig.

00:09:39: Das Opfer hingegen wird durch die bohrenden Fragen der Verteidigung getriggert, fängt an zu weinen, dissoziiert vielleicht...

00:09:46: Weil ein Gehirn unter Trauma extremen Stress erfährt.

00:09:49: ja!

00:09:50: Richtig und das Gericht wertet diese Traumareaktionen dann als Unglaubwürdigkeit.

00:09:56: Diese eiskalte juristische Routine führt zur sekundären Victimisierung, einer Retraumatisierung durch den Prozess selbst.

00:10:04: Ich

00:10:04: bestreite die Existenz von Darwo überhaupt nicht!

00:10:07: Es ist psychologisch hervorragend dokumentiert dass Menschen, die in die Enge getrieben werden genau so reagieren.

00:10:12: aber wir müssen hier eine harte rote Linie ziehen.

00:10:15: Welche

00:10:15: rote linie?

00:10:17: Ein

00:10:17: Gerichtssaal ist kein therapeutischer Raum.

00:10:19: Er darf aber auch kein Raum der psychischen Zerstörung sein.

00:10:22: Er ist ein Raum der Wahrheitsfindung und das Fair Trial-Prinzip sichert dem Beschuldigten zu, sich verteidigen zu dürfen.

00:10:29: Ein Angeklagter dem Haft droht hat das verfassungsmäßige Recht die Tat zu leugnen und die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugen in Zweifel zu ziehen.

00:10:37: Auch wenn das als Waffe genutzt wird?

00:10:39: Sie können ihm nicht sagen – sie dürfen die Zeuge nicht der Lüge bezichtigen weil das als Davotaktik gewertet wird!

00:10:45: Das Recht auf Konfrontation ist essentiell im Strafrecht.

00:10:48: Aber sehen wir nicht das absurde medizinische Dilemma, in dass wir Opfer damit zwingen?

00:10:53: Sie meinen bezüglich der therapeutischen Begleitung.

00:10:55: Ja!

00:10:56: Wir haben Betroffene mit einem extrem hohen Risiko für PTBS oder Suizidalität – aber sie dürfen oft keine traumafokussierte Therapie beginnen bevor der Prozess abgeschlossen ist.

00:11:08: Weil...dass die Aussage kontaminieren könnte… Richtig.

00:11:12: Das

00:11:12: ist doch unmenschlich!

00:11:14: Der Rechtsstaat verlangt von Opfern faktisch, ihre mentale Gesundheit jahrelang auf Eis zu legen um als markeloses Beweismittel zu dienen in einem Verfahren das zu ninety-fünf Prozent E eingestellt wird.

00:11:27: Es ist zweifellos tragisch.

00:11:29: Ich verstehe die emotionale Härte dieses Dilemmas vollkommen Aber die juristische und Aussage psychologische Begründung dahinter Zwingend,

00:11:39: warum?

00:11:39: Weil wir oft dazu leigen uns das menschliche Gedächtnis wie eine Videokassette vorzustellen.

00:11:45: Man drückt auf Aufnahme und vor Gericht drückt man einfach auf Play.

00:11:48: Dabei speichert das Gehirntrauma in Fragmenten ab.

00:11:51: Exakt!

00:11:52: Erinnerungen sind rekonstruktiv.

00:11:55: Jedes Mal wenn wir uns an etwas erinnern wird diese Erinnerung neu zusammengesetzt durch aktuelle Emotionen oder Suggestionen von außen verändert.

00:12:05: Und was passiert in der Therapie?

00:12:06: In einer traumafokussierten Therapie geht es um Heilung.

00:12:10: Manchmal füllt der Patient unbewusst Erinnerungslücken auf, um ein geschlossenes Narrativ zu finden mit dem er weiterleben kann.

00:12:18: Therapeutisch ist das ein voller Erfolg

00:12:20: Aber forensisch ist es ein Problem.

00:12:22: Es ist eine Katastrophe.

00:12:23: Wir können dann nicht mehr unterscheiden was originäre Erinnerungen ist und was nachträglich konstruiert wurde.

00:12:30: Niemand darf ins Gefängnis auf Basis von Erinnerungen, die in einer Therapie unbewusst geformt wurden.

00:12:37: Hier kollidiert das medizinische Wohl maximal mit der

00:12:40: Wahrheitsfindung.".

00:12:41: Da

00:12:41: hakt mein Verständnis von Gerechtigkeit!

00:12:44: Sie pochen auf eine unverfälschte Wahrheit?

00:12:48: Aber das System selbst erschafft doch eine künstliche Realität, in der Traumasymptome gegen das Opfer verwendet werden….

00:12:55: Was schwebt Ihnen denn konkret vor ohne die Unschuldsvermutung

00:12:59: anzutasten?!

00:13:00: Wir müssen Reformen an der Schnittstelle zur Justiz fordern.

00:13:04: Zum einen muss die psychosoziale Prozessbegleitung für alle Betroffenen der absolute Regelfall werden, nicht nur bei Minderjährigen – jemand, der an der Seite des Opfers steht und diesen zermürbenden Apparat

00:13:16: übersetzt.".

00:13:17: Da gehe ich sofort mit!

00:13:18: wirklich?

00:13:19: Ja absolut.

00:13:21: Das ist eine absolut sinnvolle Maßnahme.

00:13:23: Sie stärkt das Opfer ohne die Verteidigungsrechte des Beschuldigten im Geringsten zu beschneiden.

00:13:28: Okay

00:13:29: Und zum anderen müssen wir die rechtliche Architektur im Familienrecht anpassen.

00:13:34: Wenn Täter da wohnen, um Mütter als Entfremden darzustellen, weil diese versuchen ihre Kinder vor häuslicher Gewalt zu schützen, darf das System nicht länger blind dafür

00:13:44: sein.".

00:13:44: Bei solchen Reformen im Familien Recht kann man sicher diskutieren – aber juristische Reformen, die die Beweiswürdigung im Strafrecht aufweichen, lehne ich ab!

00:13:54: Das Strafrecht ist ein furchtbar grober Klotz, es taugt nicht als Instrument der Sozialarbeit.

00:13:59: Wo setzen wir den Hebel dann an?

00:14:01: In der Gesellschaft – bevor die Tat überhaupt passiert!

00:14:04: Hier gibt uns auch die empirische Evidenzrecht.

00:14:07: Schauen wir in den Abschlussbericht des SOFI.

00:14:09: Des sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts zu Geschlechterfragen?

00:14:13: Genau.

00:14:14: Die wirkliche Lösung liegt in der fundierten, universellen und vor allem indizierten Prävention.

00:14:18: Indizierte

00:14:19: Prävenzionen klingt jetzt sehr klinisch.

00:14:21: Was heißt das konkret auf der Straße?

00:14:24: Das bedeutet, wir warten nicht bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.

00:14:28: Indizierte Prävention richtet sich gezielt an Personen die erste Risikosignale oder übergriffiges Verhalten zeigen bevor es zur Strafplan-Gewalt eskaliert.

00:14:38: und flächendeckende Beiständeransätze?

00:14:41: Ganz genau!

00:14:41: Das Eingreifen von Umstehenden – Wir schulen das soziale Umfeld Freunde Arbeitskollegen mit Schüler um

00:14:48: toxische Dynamiken früh zu erkennen.

00:14:50: ja und sofort zu intervenieren.

00:14:52: Wir brauchen evidenzbasierte Täterarbeit.

00:14:55: Wir müssen an die Schulen mit Programmen wie dem Heroes-Projekt, um patriarchale Strukturen aufzubrechen.

00:15:01: Das alles ist langfristig weitaus effektiver als später im Gerichtssaal die Quadratur des Kreises zu versuchen.

00:15:08: Prävention ist wichtig – das bestreite ich überhaupt nicht.

00:15:11: Initiativen wie Stopp, also Stadtteile ohne Partnergewalt sind essentiell, um diese tief verwurzelten Victimblaming-Narrative zu dekonstruieren.

00:15:21: Aber …

00:15:22: Das ist mir einfach zu einfach.

00:15:24: Warum?

00:15:24: Weil das eine Antwort für die ferne Zukunft ist, dass hilft der Frau, die heute misshandelt wird nicht im Geringsten.

00:15:31: Spezialisierte Fachberatungsstellen wie die Frauennotrufe leisten übermenschliche Arbeit – oft bevor Opfer in die Justiz mühlen geraten.

00:15:39: Aber wir dürfen den Staat nicht aus seiner Pflicht entlassen hier und heute echten Rechtsschutz zu gewähren!

00:15:45: Aber welche Mechanismen sollen das sein, die rechtsstaatlich sauber

00:15:48: sind?!

00:15:49: Etwa der massive Ausbau der anonymen Spurensicherung.

00:15:53: Wir müssen forensische Beweise wasserdicht sichern können, direkt nach der Tat noch bevor sich das Opfer entscheiden muss ob es die Kraft für eine Anzeige hat.

00:16:02: so entschärfen wir dieses Aussage gegen Aussagedilemma wenigstens in einigen Fällen.

00:16:08: Gegen Maßnahmen wie die anonyme Spurensicherung habe ich nicht den geringsten Einwand.

00:16:12: Im Gegenteil, das ist exakt der richtige Weg!

00:16:15: Wir schaffen objektive Sachbeweise wo sonst nur Erinnerungen stünden.

00:16:20: Das bewahrt die rechtsstaatliche Sauberkeit.

00:16:22: Aber ich höre da ein ABER?

00:16:24: Wir

00:16:25: müssen ehrlich bleiben.

00:16:26: Auch die beste Spuren-Sicherung kann nicht aus jeder unbeweisbaren Tat einen sicheren Schuldspruch machen.

00:16:32: Und genau deshalb ist die Stärkung paritätischer, sozialarbeiterischer Unterstützungssysteme so unfassbar wichtig.

00:16:38: Sie bieten den Opfern Heilung unabhängig vom Strafverfahren.

00:16:42: Ganz

00:16:42: genau!

00:16:43: Wir müssen als Gesellschaft begreifen dass eine juristische Verfahrenseinstellung wegen mangelnder Beweise keine moralische Entlastung des Beschuldigten ist und vor allem bedeutet sie nicht das das Opfer lügt

00:16:56: Sondern dass der Staat einfach nicht genug forensische Beweise hat.

00:17:00: Exakt Diese Unterscheidungen zwischen der abstrakten juristischen Wahrheit und der schmerzhaften sozialen Realität, die müssen wir aushalten lernen.

00:17:09: Ich denke an genau diesem Punkt konvergieren unsere Perspektiven heute – Die Erkenntnis dass das Justizsystem allein die Epidemie der geschlechtsspezifischen Gewalt niemals lösen wird ist frustrierend

00:17:20: Aber sie ist realistisch.

00:17:22: Ja Wir sind uns absolut einig, dass der Ausbau und vor allem die verlässliche Finanzierung der sozialen Arbeit- und der Präventionsprogramme höchste Priorität haben müssen.

00:17:31: Wir müssen die Kultur des Schweigens brechen.

00:17:34: Indem wir Betroffenen glauben – und externe Unterstützungssysteme stärken.

00:17:39: Gleichzeitig

00:17:40: bleibe ich bei meiner festen Überzeugung!

00:17:42: Wir dürfen die Justiz nicht einfach aus der Verantwortung entlassen.

00:17:46: Wenn die Mechanismen der Wahrheitsfindung strukturell blind sind für die perfiden Method von Missbrauchstättern, dann müssen wir diese juristischen Mechanism kritisch hinterfragen.

00:17:56: Und meine Kernbotschaft am Ende bleibt – dieser Rechtsstaat ist ein fragiles Gut!

00:18:01: Die Unschuldsvermutung und die Nullhypothese sind keine Fehler im System.

00:18:05: Sie sind der allerletzte Schutzschild des Individuums gegen die Willkür eines übermächtigen Staates.

00:18:11: Der Schutz vor struktoreller Gewalt im privaten Raum ist enorm wichtig darf aber niemals mit dem Verlust des Schutzes vor staatlicher Willkühl erkauft werden.

00:18:19: Wir haben heute gesehen, wie tief der Graben zwischen der psychologischen Zerstörung durch Gewalt und der kühlen Mechanik des Strafrechts wirklich ist.

00:18:27: Das Dilemma bleibt bestehen Und das Material bietet noch enorm viel Raum für weitere tiefgehende Analysen.

00:18:35: Absolut!

00:18:36: Sie als zuhörerschaft sind nun eingeladen selbst abzuwägen.

00:18:40: um auf unser anfängliches Bild zurückzukommen Wenn bei einem Verbrechen die Glasscherben fehlen und keine Serenen heulen, wie bauen wir eine Gesellschaft, die dieses unsichtbare Unrecht erkennt ohne Blindlings zu verurteilen?

00:18:54: Wir danken Ihnen fürs Zuhören.

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